Verpackungen begegnen uns überall. Lebensmittel, Kosmetika und andere Gebrauchsgegenstände - verpackt ist heute eigentlich alles. Manchmal allerdings taucht die Frage auf: Was ist eigentlich die Verpackung und was ist das Produkt?
Das war sogar die Frage in einem komplizierten Rechtsstreit. Das Oberlandesgericht Köln musste sich mit der Frage beschäftigen, was genau eigentlich einen Lolly ausmacht. Verklagt wurde die Duales System Deutschland GmbH (DSD), die Betreiberin des verbreitetsten deutschen Mülltrennungssystems. Grundlage des Verfahrens war die Frage, was an den vertriebenen Lollys alles Verpackung ist. Fest stand nur, dass die Plastikfolie, die den oberen Teil, sozusagen den Kopf des Lollys umhüllt, Verpackung ist.
Aber was ist mit den Lollystielen? Gehören die zum Produkt oder sind auch die Stiele Verpackung? Das Gericht stellte fest: “Die verkaufte Ware kann nicht zugleich Verpackung sein”. Die Begründung dazu: “Nach Auffassung des Senats ist der Lollystiel integrativer Bestandteil des Produkts Lutscher (auch Lolly genannt). Als solcher kann er begriffsnotwendig nicht zugleich Verpackungsbestandteil sein. Die Ware Lutscher zeichnet sich nach natürlichem Verständnis und allgemeinem Sprachgebrauch gerade dadurch aus, dass der zu verzehrende bzw. zu lutschende oder schleckende Karamellteil auf einem Stiel aufgebracht ist. Der Stiel ist wesenstypisches Merkmal des Lutschers. Ohne einen solchen Stiel würde es sich nicht mehr um einen traditionellen Lutscher, sondern vielmehr um ein gewöhnliches Bonbon handeln.”
Doch auch wenn sich Verpackung und Produkt auf den ersten Blick unterscheiden lassen, ist die Umhüllung oft mehr als nur Müll. Jedes Jahr vergibt das Deutsche Verpackungsinstitut e. V. (dvi) den deutschen Verpackungspreis - dieses Jahr bereits zum 30. Mal. Dabei werden kreative und innovative Verpackungen, Verpackungsmaterialien, -grafiken, - ausstattungen und -veredlungen aus dem In- und Ausland prämiert. Der deutsche Verpackungspreis wird jährlich in fünf verschiedenen Kategorien verliehen: Verkaufsverpackungen, Transportverpackungen, Display- und Promotionverpackungen, Design, Ausstattung und Veredlung sowie Prototypen werden prämiert. 2006 erreichte der Deutsche Verpackungspreis mit 330 Bewerbungen einen neuen Teilnahmerekord. Ob die Meggle Buttertube, das After Eight Sticks Runddisplay oder die Verpackungslinie Nivea Beauté - die Preisträger im vergangenen Jahr bestachen durch neue, kreative Ideen und Innovationen.
Die Verpackungsbranche entwickelt sich stetig weiter. Immer neue Ideen werden umgesetzt - der neuste Trend heißt RFID - das steht kurz für Radio Frequency Identification. Im Deutschen heißt das die Identifizierung über Radiowellen. RFID ist ein Verfahren zur automatischen Identifizierung von Gegenständen - und damit in der Logistik und auch Lagerung einsetzbar. Neben der berührungslosen Identifizierung und der Lokalisierung von Gegenständen steht RFID auch für die automatische Erfassung und Speicherung von Daten. Den einfachen Strichcode zur Kennzeichnung von Waren haben RFID-Etiketten bisher jedoch nicht abgelöst. “Für geringwertige Wirtschaftsgüter sind sie zu teuer”, sagt Alfred Ebberg, Professor für Hochfrequenztechnik an der FH Westküste in Heide.
Abhilfe könnte es bald geben - durch intelligente Verpackungen. Diese tragen RFID bereits in sich. Für die Übertragung der Daten zum Beispiel wird eine Antenne benötigt, die bislang separat hergestellt, gemeinsam mit Chip und Leitungen auf ein Etikett gebracht und so auf die Ware geklebt wird. Doch warum nicht nutzen, was ohnehin vorhanden ist? Ob Joghurtbecher oder Getränkekarton - zahlreiche der handelsüblichen Verpackungen enthalten Metallschichten, die sich prinzipiell als Antenne eignen, erläutert Ebberg. Gelingt es, den Chip damit zu kombinieren, ließe sich die Hälfte der Kosten eines Etiketts einsparen.